Normalerweise blende ich für unsere Berichte ja immer das Hintergrundrauschen von den restlichen Begegnungen weitgehend aus und konzentriere mich auf das Abschneiden unseres Vereins. Da es beim gemeinsamen Saisonfinale der Landesligasaison 2011/2012 am vergangenen Samstag im JUFA Deutschlandsberg aber besonders spannend zuging, will ich diesmal eine Ausnahme machen.
Gleisdorf und Leoben, die den Meistertitel in den Fernduellen Gleisdorf – Schachfreunde Graz und Leoben – Pinggau/Friedberg ausspielten, hatten beide gute Saisonen gespielt. Das Finale erinnerte dann vom Verlauf her – die beiteiligten Vereine mögen mir die Formulierung verzeihen – aber ein bißchen an Not gegen Elend. Aber der Reihe nach: Vor Beginn der Runde führte Leoben die Tabelle mit einem Mannschaftspunkt Vorsprung auf Gleisdorf an. Das hieß, dass Leoben sich den Titel aus eigener Kraft mit einem Mannschafts-Sieg gegen Pinggau/Friedberg sichern konnte. Da die Zweitwertung (Brettpunkte) der beiden Vereine ident war, konnten die Gleisdorfer im Falle eines leobnerischen Umfallers aber ihrerseits mit einem Sieg alles klar machen.
Vor Beginn der Runde waren die Montanstädter verhalten optimistisch, da Pinggau/Friedberg von der Tabelle her im luftleeren Raum agierte (die beiden Absteiger Weiz und Frauental standen schon vor der Runde fest) und die beiden Spitzenbretter GM Perunovic und IM Alvir daher geschont wurden. Doch der Wettkampf verlief alles andere als vielversprechend für die Obersteirer: nach einigen Remisen und einer Niederlage am 8. Brett verlor Mario Brunnsteiner eine aussichtsreiche Stellung mit Mehrqualität gegen Peter Steiner, wonach es 4:2 für Pinggau/Friedberg stand. FM Marco Dietmayer-Kräutler hatte zu dem Zeitpunkt im Damenendspiel gegen Andreas Schieder zwar den ganzen Königsflügel mehr und die Verwertung war nur mehr eine Frage der Zeit, am Spitzenbrett schien die Lage aber längst nicht so klar. Die Mehrzahl der Kiebitze, inklusive dem Berichterstatter, waren der Meinung, dass Manfred Brod das entstandene Endspiel mit Turm und ungleichfarbigen Läufern gegen IM Robert Kreisl Remis halten können sollte. Abhängig davon, ob ihm das gelingen würde, brauchten die Gleisdorfer also entweder ein 4:4 oder einen Sieg in beliebiger Höhe, um an den Leobnern vorbeizuziehen.
Doch für die Oststeirer lief es noch schlechter als beim anderen Titelkanditaten: schnellen Angriffssiegen von IM Tamas Horvath gegen FM Walter Kastner und dem extra aus China eingeflogenen Ronald Frosch gegen Stefan Schrey standen Niederlagen von Michael Missethan (gegen Harald Suppan) und von Mannschaftsführer Martin Walzl (gegen Florian Kainrath) gegenüber. Beim Stand von 3:3 hatten die Schachfreunde in den verbliebenen zwei Partien insgesamt 3 Mehrbauern: einen auf dem Brett der Partie des ex-Austrianers Dieter Brandstetter gegen Thomas Pöltl und deren zwei bei der Partie von Georg Kravanja gegen ex-Austrianer FM Fred Wegerer. Als Detail am Rande möchte ich erwähnen, dass Georg Kravanja zu dem Zeitpunkt auch die bessere Zeit auf der Uhr hatte und ich persönlich Fred keinen Vorwurf gemacht hätte, hätte er die Partie einfach aufgegeben. Vor der Partie wäre Schachfreund Kravanja Kanditat für den MVP 2011/2012 gewesen, wenn dieser Titel in der Steirischen Landesliga denn verliehen würde: 8/10 und über 60 Elo Plus sind wahrlich keine schlechte Leistung. In der letzten Partie wurde er aber zum tragischen Held: in mittlerweile nicht mehr ganz so klarer Stellung überschritt er, trotz 30 Sekunden Modus, die Zeit und machte Gleisdorf damit zum Meister, da Thomas Pöltl sein Enspiel gehalten hatte und Gleisdorf damit 4,5:3,5 gewann. IM Robert Kreisl ließ sich in der Zwischenzeit übrigens auch vom deutlich hörbaren Gleisdorfer Siegesjubel nicht aus der Ruhe bringen und gewann sein Endspiel gegen Manfred Brod. Leoben hatte damit 4:4 gespielt – hätte Fred also nicht auf Zeit gewonnen, hätte es für die Gleisdorfer nicht gereicht.
Endstand Steirische Landesliga 2011/2012
| Rg. | Team | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | Wtg1 | Wtg2 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Rbej Gleisdorf | * | 4 | 5 | 4½ | 4½ | 4 | 4½ | 4 | 5½ | 4 | 5 | 6 | 18 | 51.0 |
| 2 | Leoben | 4 | * | 4½ | 5 | 4½ | 4 | 2 | 6 | 4½ | 5½ | 5 | 5½ | 18 | 50.5 |
| 3 | TSV Hartberg | 3 | 3½ | * | 5 | 3½ | 5 | 4 | 5 | 5½ | 5 | 4½ | 5 | 15 | 49.0 |
4 | ESV Austria Graz | 3½ | 3 | 3 | * | 6 | 2½ | 6½ | 5 | 5 | 5 | 4 | 4 | 12 | 47.5 |
| 5 | Schachfreunde Graz | 3½ | 3½ | 4½ | 2 | * | 6 | 4 | 3 | 4½ | 4 | 6½ | 5½ | 12 | 47.0 |
| 6 | SC Pinggau-Friedberg | 4 | 4 | 3 | 5½ | 2 | * | 3½ | 5 | 5 | 3½ | 4½ | 5 | 12 | 45.0 |
| 7 | Spg. Feldbach-Kirchberg | 3½ | 6 | 4 | 1½ | 4 | 4½ | * | 5½ | 3 | 4½ | 4½ | 3 | 12 | 44.0 |
| 8 | Styria Graz | 4 | 2 | 3 | 3 | 5 | 3 | 2½ | * | 4 | 7½ | 4 | 5½ | 9 | 43.5 |
| 9 | Spg. Liezen-Admont | 2½ | 3½ | 2½ | 3 | 3½ | 3 | 5 | 4 | * | 4½ | 5 | 5 | 9 | 41.5 |
| 10 | Straßenbahn Graz | 4 | 2½ | 3 | 3 | 4 | 4½ | 3½ | ½ | 3½ | * | 4 | 4½ | 7 | 37.0 |
| 11 | Weiz | 3 | 3 | 3½ | 4 | 1½ | 3½ | 3½ | 4 | 3 | 4 | * | 4 | 4 | 37.0 |
| 12 | Frauental | 2 | 2½ | 3 | 4 | 2½ | 3 | 5 | 2½ | 3 | 3½ | 4 | * | 4 | 35.0 |
Auch wenn es für uns selbst in der letzten Runde nicht mehr um allzuviel ging, spielten wir trotzdem motiviert gegen Liezen und durften uns am Ende wie ersichtlich noch über den 4. Platz im Endklassement freuen. Am Jugendbrett hatte Stefan kampflos gewonnen, Thomas (gegen Französisch) und Heli (mit Französisch) steuerten die weiteren Siegpunkte bei und verhalfen uns trotz der Niederlage von Christoph auf Brett 1 gegen den in den Norden ausgeliehenen Austrianer FM Hubert Ebner zu einem 5:3 Erfolg.
ESV Austria Graz – Spg. Liezen-Admont 5 : 3
(1) FM Karner Christoph (2381) – FM Ebner Hubert (2213) 0 – 1
(2) FM Aschenbrenner Robert (2270) – MK Preis Wolfgang (2180) ½ – ½
(3) NM Spindelböck Gernot (2235) – MK Wallner Dieter (2130) ½ – ½
(4) Schrittwieser Herbert (2206) – Meglitsch Konstantin (2041) ½ – ½
(5) MK Pfaffel Thomas (2199) – MK Flecker Wolfgang (2107) 1 – 0
(6) Preck Helmut (2025) – Reiter Peter (1911) 1 – 0
(7) Flitsch Günther (1931) – Poelsler Ingolf (1872) ½ – ½
(8) Bortolas Stefan (1712) – Brett nicht besetzt + – -
Die meisten Punkte steuerten Gernot (7/11) und Stefan (6,5/11) zu unserem Unternehmen bei, aber auch unsere Ersatzspieler Heli (3,5/4) und Jakob (3,5/6 – Performance über 2000) möchte ich erwähnen. Insgesamt gab es in der Liga einige herausragende Ergebnisse: Georg Kravanja, Florian Kainrath (beide Schachfreunde Graz) und Oliver Wagner (Leoben) erspielten jeweils 8/11, FM Lukas Handler (Hartberg) und FM Peter Schreiner (Frauental) durften sich über erreichte IM Normen freuen.
Ich möchte mich jedenfalls als Mannschaftsführer bei allen Austrianern für eine spannende und lustige Saison bedanken und freue mich schon auf nächstes Jahr.










































